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Selbstbewusste Atmosphäre schaffen

31 Aug.. 2021 | Teamentwicklung

Wenn Teams nicht funktionieren, sucht man die Ursache meist in Strukturen, Prozessen oder Kommunikation. Seltener schaut man auf das Selbstwertgefühl der Beteiligten — dabei ist es ein wesentlicher Faktor dafür, wie Menschen miteinander arbeiten, sich einbringen und Verantwortung übernehmen.

„Du musst eine Atmosphäre schaffen, in der jeder selbstbewusst sein kann.“

Für Robert Huth, Ex-Profifußballer, ist das die wichtigste Erkenntnis, die er aus seinem in seinem Studium „Sporting Directorship“ mitgenommen hat.

Das Selbstbewusstsein oder genauer: Das Selbstwertgefühl jedes Einzelnen. Warum ist es so wichtig in Teams? Und wie können Sie ein starkes Selbstwertgefühl jedes Teammitgliedes fördern?

Selbstwert – Unser Pott

Bereits in den 1980er Jahren kam die bedeutende Familientherapeutin Virginia Satir in ihrer Arbeit mit schwierigen Familien zu dem Ergebnis, dass das Selbstwertgefühl der entscheidende Faktor dafür ist, was sich in einem Menschen abspielt: was er fühlt, was er denkt, auf welche Art und Weise er mit seinem Umfeld in Beziehung tritt. Satir nannte das Selbstwertgefühl eines Menschen seinen „Pott“  – wie ein heimischer Suppentopf, der Geborgenheit, Sicherheit und Wärme verkörpert.

„Low-Pott“: Einsamkeit und Angst

Ist der Pott meistens schlecht gefüllt („low-pot“), erwartet ein Mensch von seinen Mitmenschen, dass sie ihn hintergehen, mit Füßen treten und verachten. Um sich zu schützen, zieht er sich von anderen zurück. Als Folge von Einsamkeit und Misstrauen stellt sich Angst ein, besonders auch die Angst vor Veränderung: Etwas Neues ausprobieren birgt ja neue Gefahren, hintergangen zu werden, zu versagen, verachtet zu werden.

„High-Pott“: Vertrauen und Handeln

Ist der Pott dagegen meistens gut gefüllt („high-pot“), weiß ein Mensch, dass er etwas bedeutet und die Welt ein kleines Stückchen besser machen kann. Er glaubt an seine Fähigkeiten. Weil er sich wertschätzt, kann er auch den Wert seiner Mitmenschen wahrnehmen und achten. Er strahlt Vertrauen und Hoffnung aus. Momentane Tiefpunkte erlebt dieser Mensch nicht als Beweis seines Unglücks oder seiner Unfähigkeit, sondern als Krisen des Augenblicks, denen er aktiv begegnen und aus denen er auch wieder heil auftauchen kann. In Teams, in denen die Pötte voll sind,

  • glauben die Mitglieder an ihre Fähigkeit, das Team gemeinsam nach vorne zu bringen
  • fühlt sich jedes Mitglied mit seinen individuellen Stärken gesehen und wertgeschätzt
  • haben die Mitglieder Mut zu Risiken, die das Team und seine Ziele nach vorne bringen
  • können die Mitglieder auch kritische Punkte angstfrei ansprechen
  • fühlen sich die Mitglieder ermutigt, auch unkonventionelle Ideen einzubringen
  • gibt es keinen Grund zu Opportunismus
  • wachsen die Mitglieder miteinander zu einem Team, das immer freier und stärker sein Potenzial entfaltet.

Was können Sie in Ihrem Team für vollere Pötte tun? Ein guter Start ist es, bewusst die Pötte wahrzunehmen – die ihrer Teammitglieder, und auch Ihren eigenen.

UPDATE 26. August 2021: „Am Anschlag – Die Macht der Kränkung“ Mini-Serie auf zdf neo
Besonders drastisch zeigt die aktuelle Mini-Serie „Am Anschlag – Die Macht der Kränkung“ auf zdf neo die Folgen eines leeren Potts. Ich zitiere mal aus der Beschreibung des Senders:

Und plötzlich ist alles anders…

Ein normaler Tag im Einkaufscenter „Sunshine City“ – dann fallen Schüsse. In sechs Folgen erzählt die Dramaserie von Menschen und Kränkungen, die bei einer Person schließlich drastische Folgen haben.“

Spannend, eindrücklich, toll gespielt und inszeniert – ansehen!

Zum Weiterlesen:
– Virginia Satir, Selbstwert und Kommunikation, 24. A. 2018, Klett-Cotta
Reinhard Haller, Die Macht der Kränkung, 10. A. 2020, ecowin
Eva Wlodarek, Die Kraft der Wertschätzung, 2020, dtv
„Ich musste einfach nur weg vom Fußball“ Interview mit Robert Huth, Tagesspiegel 10.02.2020


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